10-24-2008
Die Nutzung der Windkraft in der deutschen Nordsee ist einen großen Schritt vorangekommen. Die Nearshore-Anlage der BARD-Gruppe in der Außenjade ist fertig montiert. Sie wird am kommenden Dienstag (28. 10. 2008) von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel offiziell in Betrieb genommen.
Die Fünf-Megawatt-Anlage vor Hooksiel nördlich von Wilhelmshaven ist die erste in Deutschland, die vollständig vom Wasser aus errichtet wurde. Dabei wurde auch das erste Offshore-Fundament für Windkraftanlagen in der Nordsee gesetzt. Das „BARD Tripile“ besteht aus drei, jeweils etwa 210 Tonnen schweren Rammrohren und einem aufgesetzten Stützkreuz von rund 490 Tonnen Gewicht, das den Turm trägt. Die mächtige Stahlkonstruktion kann auch bei stärkerem Wind und Seegang aufgestellt werden und wird bei einer BARD-Tochter, der Cuxhaven Steel Construction GmbH (CSC), in Serie gefertigt. Ab Ende des Jahres soll die Fertigung der Offshore-Gründungen in Cuxhaven witterungsunabhängig unter Dach erfolgen. Dann ist die Produktionshalle mit einer Länge von etwa 250 Metern und fast 50 Meter Höhe im Stadtteil Groden bezugsfertig. Die entsprechenden Qualitäts-Zertifizierungen nach ISO 9001 und OHSAS 18001 sind vom Germanischen Lloyd mit Sitz in Hamburg erteilt worden.
CSC-Geschäftsführer Manfred Bruhn kündigte außerdem eine Vergrößerung des Unternehmens an: „Wir haben im Namen der BARD-Gruppe für die CSC die Option auf Flächenerweiterung bei der Stadt Cuxhaven gezogen.“ Damit werden ab Ende kommenden Jahres weitere 150.000 Quadratmeter zur Verfügung stehen, um die Produktions- und Lagerkapazitäten zu erhöhen.
Am Fundament in Hooksiel wurde erstmals auch eine von der BARD-Gruppe zusammen mit den Norddeutschen Seekabelwerken in Nordenham und dem britischen Unternehmen Tekmar aus North Yorkshire entwickelte Technik zum Einführen von Energieseekabeln eingesetzt. Laut Projektleiter Dimitri Wiege hat sich das Tekmar-System auf Anhieb bewährt: „Wir sind absolut zufrieden.“ Die Kabeleinführung in die Tripile-Fundamentstruktur ist mit einem speziellen Knickschutz versehen, um den Einfluss von Strömung, Kolkausbildung und Fundamentbewegung auf die Kabellebensdauer so gering, wie möglich zu halten. Die neuartige Technik kommt ohne den bisher notwendigen Einsatz von Tauchern aus und ist der Standardlösung, einem sogenannten J-Tube, deutlich überlegen.
Dabei wird eine Art überdimensionierte Zugentlastung gleich zusammen mit dem Seekabel durch eine exakt angepasste Öffnung unterhalb der Wasseroberfläche in das Fundamentrohr eingeführt. Die Einzugwinde ist mit weiteren Vorrichtungen zur Kabelführung im Inneren des Rohres installiert. Mehrere Edelstahlzähne sorgen per Federdruck automatisch für die sichere Verriegelung der Kabeleinführung im Fundamentrohr. Das flexible System aus Kunststoff und Metall ist mit seinen 600 Kilogramm Gewicht deutlich leichter, als die bislang genutzte J-Tube-Technik aus massivem Stahl, die obendrein teurer und störanfällig ist. Kabeleinführungen im Offshore-Bereich waren nach Angaben von Wiege bisher höchst problematisch, die schweren Stahlkonstruktionen rissen häufig ab: „Unser Tekmar-System ist die Lösung für diese Aufgabe.“
Die BARD-Gruppe hat insgesamt 160 Stück der Kabeleinführungen beim britischen Hersteller bestellt. Damit sollen die 80 Windkraftanlagen im Park „BARD Offshore 1“ ausgestattet werden. Baubeginn wird im kommenden Frühjahr sein. Die Hooksieler Anlage ist baugleich mit den Windrädern, die ab Mai 2009 rund 100 Kilometer nordwestlich von Borkum errichtet werden sollen. Das BARD-Offshore-Windkraftwerk liefert nach seiner Fertigstellung Endes des Jahres 2010 elektrischen Strom für rund 400.000 Mehrpersonen-Haushalte.