BARD Engineering GmbH
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Aktuelles

28.08.2008

Start in die Nutzung der Offshore-Windenergie

BARD-Gruppe errichtet Test-Windkraftanlage vor der Küste

Hooksiel / Emden. Ein Rammschlag markiert an diesem Donnerstag (28. 8. 2008) den Einstieg in die kommerzielle Nutzung der Offshore-Windenergie in Deutschland. Die BARD-Gruppe mit Hauptsitz im niedersächsischen Emden errichtet eine „BARD VM“-Test- und Trainingsanlage in der Außenjade vor Hooksiel bei Wilhelmshaven. Ab kommendem Frühjahr sollen insgesamt 80 Windkraftanlagen dieses Typs im Windpark „BARD Offshore 1“ rund 100 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum in der Nordsee installiert werden. Die „BARD VM“ hat wie die späteren Anlagen im Offshore-Einsatz eine Nabenhöhe von 90 Metern über dem Meeresspiegel, der Rotordurchmesser beträgt knapp 122 Meter. Die Nennleistung liegt bei fünf Megawatt, womit der Strombedarf von rund 5.000 Mehrpersonenhaushalten gedeckt werden kann. Die Anbindung der Windkraftanlage vor Hooksiel an das Versorgungsnetz erfolgt über eine 20 kV-Leitung mit Übergabe an die Wilhelmshavener Gas- und Elektrizitätswerke.

Die Nearshore-Anlage wird etwa 500 Meter vom Strand entfernt zwischen Hooksieler Außenhafen und Ineos-Löschbrücke aufgestellt. Dabei kommt zum ersten Mal das BARD-Tripile-Offshorefundament zum Einsatz. Für die Aufbauarbeiten hat der Schwerlastponton „Giant 4“ mit zwei Großkränen an Bord in der Außenjade festgemacht. Das Wasser ist dort je nach Tide zwischen zwei und acht Meter tief. Der Leiter des Projektes, der Geschäftsführer der BARD Building GmbH & Co. KG, Andree Krüger, erläuterte am Mittwoch (27. 8. 2008) vor der Presse den Ablauf der Errichtung: „Wir setzen als erstes die drei Gründungspfähle des Tripile.“ Die jeweils rund 50 Meter langen Rohre mit einem Durchmesser von mehr als drei Metern werden zunächst mit einem Rüttler in den Meeresboden getrieben, nur die letzten Meter müssen gerammt werden.

Mitte September holt die „Giant 4“ dann aus Cuxhaven das so genannte Stützkreuz, mit dem die Gründungsrohre verbunden werden. Gefertigt wurde diese rund 470 Tonnen schwere Stahlkonstruktion in den vergangenen Wochen bei der Cuxhaven Steel Construction GmbH (CSC), die zur BARD-Gruppe gehört. Die drei Zapfen des Stützkreuzes werden rund zehn Meter über dem Wasser in die Rammrohre eingeführt und mit einem Spezialmörtel „verklebt“. Auf das Zentralrohr in der Mitte des Stützkreuzes wird der Turm montiert, auf den Ende September die „BARD VM“-Generatorgondel gehievt werden soll.

Laut CSC-Geschäftsführer Manfred Bruhn wird auf das Stützkreuz zurzeit der Korrosionsschutz aufgebracht: „Wir haben die Beschichtungshalle kürzlich in Betrieb genommen.“ Die Beschichtung kann deshalb witterungsgeschützt aufgebracht werden, eine wichtige Voraussetzung für die geforderte hohe Qualität des Korrosionsschutzes. Laut Bruhn soll der Spezialanstrich mindestens 20 Jahre halten: „Ein Schiff bekommt in der Werft alle fünf Jahre neuen Lack.“ Ab Spätherbst wird bei CSC dann die gesamte Fertigung „unter Dach“ ablaufen. Bruhn: „Damit wird bei uns in Cuxhaven weltweit zum ersten Mal eine Serienproduktion von Offshore-Fundamenten möglich. Mit dieser innovativen Technologie können wir bis zu 100 komplett ausgerüstete Fundamenteinheiten pro Jahr ausliefern.“ Die neue CSC-Fertigungshalle ist rund 250 Meter lang, 45 Meter hoch und 70 Meter breit.

Die Errichtung der Windkraftanlage vor Hooksiel erfolgt vollständig vom Wasser aus. Die Gründungsstruktur entspricht im Wesentlichen den für den tatsächlichen Offshore-Einsatz konzipierten Konstruktionen. „Dadurch kann das BARD-Team das Zusammenspiel mit den beteiligten Dienstleistern bei einem kompletten Aufbauprozess unter realen Bedingungen bis ins Detail proben“, sagte Projektleiter Andree Krüger. Nur die gut 200 Tonnen schweren Rammrohre seien kürzer als jene, die bei 40 Metern Wassertiefe in der Nordsee eingesetzt werden. An der Anlage in der Außenjade soll auch das BARD-Servicepersonal für den Offshore-Einsatz ausgebildet und trainiert werden.

Die „BARD VM“ wird mit Hilfe eines mehr als 120 Meter hohen DEMAG Großkranes CC-6800 montiert, der eine maximale Tragfähigkeit von 1.250 Tonnen hat. Die so genannte Einbindetiefe der drei Rammrohre beträgt etwa 44 Meter. Krüger: „Bei allen Arbeiten werden selbstverständlich die gesetzlichen Immissionsgrenzwerte strikt eingehalten.“ Die Rammung ist in wenigen Stunden erledigt. Nach Krügers Angaben wird die Anlage Anfang Oktober stehen. Die Arbeiten seien nicht sehr „witterungskritisch“: „Unser Installations- und Logistikkonzept ist bis ins Detail abgestimmt und unsere Anlage ausschließlich für die Anforderungen auf hoher See konstruiert.“ Die Konstruktionsteile seien einfach zu handhaben und vergleichsweise leicht. Deshalb müssten die Aufbauarbeiten an einer „BARD-VM“ tatsächlich nur bei Sturm unterbrochen werden.

Bei der bevorstehenden Installation des bereits genehmigten Windparks „BARD Offshore 1“ wird das Unternehmen sein eigenes Errichterschiff einsetzen, das gegenwärtig auf einer Werft in Litauen gebaut wird. Dr. Stephan Bormann, Marketingleiter der BARD Engineering GmbH sprach von einer Innovation beim Bau von Offshore-Windparks: „Unser Errichtungskonzept ist weltweit einzigartig.“ Bislang habe man bei der Installation von Offshore-Windkraftanlagen Kranschiffe und Hubplattformen eingesetzt, wie sie von der Ölindustrie genutzt werden. Die „Wind Lift I“ sei dagegen speziell für das BARD-Errichtungskonzept konstruiert worden. Diese so genannte „Jack-up-Barge“ ist fast 102 Meter lang und kann sich an vier mehr als 70 Meter hohen Beinen hydraulisch aus dem Wasser heben. Sie bietet damit auch bei Seegang und starkem Wind eine sichere und stabile Arbeitsplattform. Der 500-Tonnen-Hauptkran hat eine Hakenhöhe von 121 Metern. Heimathafen der „Wind Lift I“ wird Cuxhaven sein.

Das Schiff soll nach der Auslieferung im kommenden Frühjahr sofort mit dem Aufbau der ersten der insgesamt 80 „BARD VM“-Fünf-Megawatt-Anlagen auf der Nordsee beginnen. Der Park soll laut Bormann Ende 2010 fertig sein. Der erste Offshore-Strom werde aber bereits Mitte 2009 eingespeist, wenn die ersten Windkraftanlagen aufgestellt sind. Wegen der optimalen Verhältnisse auf hoher See erzeugen Offshore-Windparks doppelt so viel elektrische Energie, wie vergleichbare Windräder an Binnenlandstandorten. Dr. Stephan Bormann: „Umweltgerecht und klimafreundlich werden die BARD-Windkraftanlagen mindestens 20 Jahre lang Strom produzieren.“ Seit Ende 2007 betreibt BARD bereits in der Nähe von Emden zwei Testanlagen an Land.

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