20.06.2008
Die litauische Werft Western Shipyard (WSY) in Klaipeda hat mit dem Bau der Wohn- und Trafoplattform für den Windpark „BARD Offshore 1“ begonnen. Sie soll nach Angaben der BARD-Gruppe im Juli 2009 betriebsbereit sein. „Die Werft ist spezialisiert auf die besonderen Anforderungen der Offshore-Industrie“, verweist Anton Baraev, Geschäftsführer der BARD Engineering GmbH, auf die Qualifikation und die Erfahrung von WSY. Dort lässt BARD bereits sein Errichterschiff „Wind Lift I“ bauen, mit dem das Unternehmen im kommenden Jahr die ersten Windkraftanlagen auf See installieren will.
Die neue Wohn- und Trafoplattform steht auf einer fachwerkartigen Tragkonstruktion, der Substructure, auf dem Meeresboden. Sie hat eine Grundfläche von 42 mal 42 Metern und misst vom Boden des untersten Decks bis zum Dach des Towers auf der Hubschrauberlandefläche insgesamt 25 Meter. Die Höhe der Gesamtkonstruktion beträgt 84 Meter. Das unterste Deck befindet sich etwa 20 Meter über der Wasseroberfläche. Auf der Plattform wird rund um die Uhr ein BARD-Service- und Reparaturteam stationiert sein. Für das Personal stehen insgesamt 20 klimatisierte Doppelkabinen zur Verfügung. Neben Werkstätten, Kontroll- und Lagerräumen befinden sich auch eine komplette Großküche sowie Sozialräume und technische Einrichtungen auf den insgesamt fünf Decks.
Auf der Plattform werden die Energieseekabel aus dem Windpark zusammenlaufen. Jeweils acht Windkraftanlagen bilden ein so genanntes Cluster. Die Cluster sind mit der Trafoplattform verbunden, wo der 33.000-Volt-Drehstrom aus den Anlagen in Drehstrom mit 155.000 Volt umgewandelt und an die E.ON Netz GmbH übergeben wird. Die E.ON transportiert den „grünen Strom“ zur Einspeisung ins Versorgungsnetz ans Festland. Die Gesamtleistung des Parks beträgt 400 Megawatt. Geplant ist, die ersten der insgesamt 80 „BARD VM“-Windkraftanlagen im Frühjahr 2009 zu errichten. Der Park rund 100 Kilometer nordwestlich von Borkum soll Ende 2010 fertig sein. Der erste Offshore-Windstrom wird bereits nach Inbetriebnahme des ersten Clusters ins Netz eingespeist.
Die Plattform verfügt über zwei 20-Tonnen-Kräne und soll per Schiff von Emden aus versorgt werden, das alle zwei Wochen auch die komplette Abfallentsorgung übernimmt. Die schwimmfähige Wohn- und Trafoplattform wird nach ihrer Fertigstellung im Juni 2009 von zwei Schleppern von der WSY-Werft in Klaipeda direkt ins Projektgebiet gezogen. Hier wird zunächst die Substructure auf den Grund abgesenkt. Anschließend hebt ein spezielles Hydrauliksystem an den vier Tragrohren das Deck auf die vorgesehene Höhe über der Wasseroberfläche. Rammrohre verankern die Plattform abschließend 45 Meter tief im Meeresboden. Die Gesamtkonstruktion wiegt betriebsfertig rund 7.500 Tonnen.
An der Plattform wird auch der BARD-Windparktender stationiert sein, der bei Abeking & Rasmussen in Lemwerder in Auftrag gegeben worden ist. Das Spezialschiff mit SWATH-Technologie liegt auch bei rauer See sehr ruhig auf dem Wasser. Mit ihm gelangt das Servicepersonal sicher von der Plattform zu den einzelnen Windkraftanlagen.