05.05.2008
Vor fast 400 geladenen Gästen gab am Sonnabendnachmittag (3. 5. 2008) der Niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) den symbolischen Startschuss für die kommerzielle Nutzung der Windenergie auf hoher See. Unterhalb von zwei mehr als 90 Meter hohen Offshore-Prototypen startete Wulff per Hand das Miniaturmodel einer „BARD VM“-Windkraftanlage, das über ein bunt leuchtendes Lichtkabel den Anlaufbefehl an die realen Generatoren übertrug, deren Rotoren sich daraufhin langsam in Bewegung setzten.
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Wulff unterstrich in seiner Rede die besondere Bedeutung der Entwicklung alternativer Energiequellen: „Ziel der Landesregierung ist es, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 auf mindestens 25 Prozent erhöht wird.“ Im Bereich der Stromerzeugung werde der Schwerpunkt auf dem Ausbau der Offshore-Windenergie liegen.
Er nannte die BARD-Gruppe einen „erfolgreichen Pionier“ bei der Verwirklichung des ersten kommerziellen Offshore-Windparks. BARD habe sich zu einem ökologischen und ökonomischen Vorreiter und Vorbild entwickelt. Innerhalb von nur vier Jahren sei es gelungen, eine neue Windkraftanlage für den Offshore-Einsatz zu entwickeln. „Dies ist ein Beweis für die Leistungsfähigkeit unserer mittelständischen Unternehmen“, sagte der Ministerpräsident: „Mit großer unternehmerischer Tatkraft wurden im Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten und die Partner in der Region neue Produktionsstätten in Emden, Leer und Cuxhaven geschaffen.“ Die BARD-Gruppe beschäftigt inzwischen insgesamt 275 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den drei genannten Standorten und einer weiteren Niederlassung in Bremen.
Der Geschäftsführer der BARD Engineering GmbH, Heiko Roß, dankte der Politik, die in den vergangenen beiden Jahren die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen habe für den
zügigen Ausbau der Offshore-Windenergienutzung. Roß nannte ausdrücklich das Infrastrukturplanungsbeschleunigungsgesetz, mit dem die Netzbetreiber zum Anschluss von Offshore-Windparks verpflichtet worden sind. Er wünsche sich, das auch die bereits im Entwurf vorliegende Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) noch vor der parlamentarischen Sommerpause verabschiedet werde: „An diesen beiden Eckpfeilern machen sich derzeit die Planungen mehrerer Unternehmen der Offshore-Windkraft-Branche fest.“
Die BARD Engineering GmbH habe alle erforderlichen Vorarbeiten geleistet, um im Mai des nächsten Jahres mit der Errichtung des ersten großen Windkraftwerkes in der Nordsee zu beginnen. Das Unternehmen wird knapp 100 Kilometer nordwestlich von Borkum insgesamt 80 Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von jeweils fünf Megawatt aufstellen. Der erzeugte Strom reicht für die Versorgung von rund 400.000 Mehrpersonenhaushalten. Bereits im Spätsommer soll die dritte „BARD VM“-Testanlage mit dem ersten Offshorefundament „BARD Tripile I“ in der Außenjade vor Hooksiel errichtet werden.
Das spezielle Errichterschiff „Wind Lift I“, das sich an vier mehr als 70 Meter hohen Beinen aus dem Wasser heben kann, wurde Anfang April im litauischen Klaipeda auf Kiel gelegt. Mit Hilfe des Schwerlastkrans auf der Plattform sollen die Windkraftanlagen installiert werden. Die fast 500 Tonnen schweren Fundamente werden bei einem BARD-Tochterunternehmen, der Cuxhaven Steel Construction GmbH (CSC), gefertigt. In Cuxhaven ist bereits vor zwei Wochen die Serienproduktion der Offshorefundamente angelaufen. Schon in den ersten Testwochen hätten die beiden BARD-Prototypen am Rysumer Nacken deutlich mehr Leistung gebracht, als erwartet, sagte Roß. „Der Offshore-Zug kommt nun ins Rollen“, ergänzte Wulff, “lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass er jetzt richtig Fahrt aufnimmt.“