04.04.2008
Die BARD-Gruppe hat am Freitag (4.4.2008 / 15 Uhr MESZ) eine Jack-up Barge im litauischen Klaipeda auf Kiel gelegt. Das Kranschiff mit Helikopterdeck ist alles in allem 101,80 Meter lang, 36 Meter breit und kann sich an vier 71 Meter hohen Beinen aus dem Wasser heben. Dadurch bietet es unabhängig von Witterung und Seegang eine stabile Arbeitsplattform zur Errichtung von Offshore-Windkraftanlagen. Die Bauzeit beträgt knapp ein Jahr. Das Deckshaus mit den Mannschaftskabinen ist bereits im Rohbau fertig.
Bei der feierlichen Zeremonie am Freitagnachmittag auf der Werft PC Western Shipbuilding Yard sprach der Geschäftsführer der BARD Engineering GmbH, Anton Baraev, von einer außergewöhnlichen Innovation in der Offshore-Windparkinstallation: „Unser Logistikkonzept ist einzigartig.“ Bislang habe man beim Bau von Offshore-Parks Kranschiffe und Hubplattformen eingesetzt, wie sie von der Ölindustrie genutzt werden. Die „Wind Lift I“ sei dagegen speziell für das BARD-Errichtungskonzept konstruiert worden. Das Schiff wird von vier schwenkbaren so genannten VSD-Bugstrahlern mit je 1.520 kW Leistung angetrieben und verfügt neben einem Schwerlast- und einem Hilfskran über eine besondere Vorrichtung, mit der die drei bis zu 95 Meter langen Fundamentrohre der speziellen BARD-Gründungsstruktur exakt positioniert in den Meeresboden gerammt werden können. Baraev: „Mit Hilfe dieser Rammschablone stellen wir minimale Abweichungen von wenigen Zentimetern beim Setzen der Fundamente sicher, trotz der riesigen Dimensionen der Struktur.“
Video der feierlichen Kiellegung des BARD-Errichterschiffes.
Wenn die Plattform mit satellitengestützter Navigation den vorgesehenen Standort der Windkraftanlage erreicht hat, jackt sie sich hydraulisch an den vier Beinen auf, hebt sich also aus dem Wasser. Gleichzeitig bringen Schlepper die benötigten Fundamentstrukturen, Türme, Rotoren und Gondeln auf Schwerlastpontons ins Projektgebiet.
Der Kran hebt die Fundamentrohre an und positioniert sie mit Hilfe hydraulischer Gripper an der Rammschablone exakt am Grund der Nordsee. Dann treibt die bordeigene Ramme die Rohre in den Boden. Nachdem das rund 450 Tonnen schwere Stützkreuz aufgesetzt ist, wird der Turm montiert. Der Hauptkran hievt die Gondel auf die Turmspitze und installiert schließlich den Rotorstern mit 122 Metern Durchmesser in einem Stück.
Besonderer Vorteil des BARD-Errichterschiffs, es bietet auch bei ungünstigen Wetterbedingungen eine sichere und stabile Arbeitsplattform. Laut Baraev ein „gut durchdachtes und hoch effizientes Konzept“. In den vergangenen Monaten wurde ein Modell im Maßstab 1:40 intensiv im Wellenkanal der Technischen Universität in Berlin getestet und dabei auch extremem Seegang ausgesetzt, wie er in der Nordsee statistisch nur alle 100 Jahre vorkommen kann.
„Unser Auftrag ist hierher gegangen, weil uns PC Western Shipbuilding Yard durch ihre Qualifikation und Erfahrung im Spezialschiffbau uneingeschränkt überzeugt hat“, sagte Baraev bei der Kiellegungszeremonie der „Wind Lift I“. Zudem habe der zugesagte Auslieferungstermin ideal in den BARD-Zeitplan zur Errichtung des ersten kommerziellen deutschen Offshore-Windparks gepasst.
Die Werft PC Western Shipbuilding Yard gehört zur “AB Vakarų laivų gamykla" (VLG) und damit zum estnischen Schiffbaukonzern "BLRT Grupp". Das Unternehmen beschäftigt am Standort Klaipeda 160 Mitarbeiter und ist auf lange Sicht ausgebucht mit dem Bau von kleineren und mittelgroßen Fähren, sowie von Spezialserviceschiffen für die Offshore-Öl- und Windkraftindustrie. "Das BARD-Projekt ist für uns einzigartig und besonders interessant, weil wir das Schiff auf zwei verschiedenen Docks bauen”, sagte der Marketing- und Verkaufsdirektor der WSY-Werft, Jevgenij Petrov. Die beiden Teile werden dann später schwimmend auf dem Wasser zusammengefügt.
Der Auftrag hat einen Umfang von umgerechnet rund 50 Millionen Euro. Eine Investition, die sich laut Baraev schnell bezahlt macht: „Wir sind damit unabhängig vom Chartermarkt, der sich an den Bedürfnissen und den Preisen der Ölindustrie orientiert.“
Die „Wind Lift I“ wird bis zu 50 Mann Besatzung haben. Der 500-Tonnen-Hauptkran hat eine Hakenhöhe von 121 Metern und wird von der niederländischen Firma Gusto MSC geliefert, die auch die Hubeinrichtung für die Plattform konstruiert hat. Heimathafen der „Wind Lift I“ wird Cuxhaven sein. Das Schiff soll nach der Auslieferung im kommenden Frühjahr sofort mit der Installation der ersten der insgesamt 80 BARD-VM-Fünf-Megawatt-Anlagen im Offshorepark rund 100 Kilometer vor Borkum beginnen. Die Errichtung soll in zwei Phasen erfolgen. In Zeiten ungünstigen Wetters werden zunächst nur die Fundamente gesetzt, in den windarmen Sommermonaten sollen dann die Türme und Gondeln installiert werden. Wenn das Team eingespielt ist, soll die Errichtung einer BARD-Offshore-Windkraftanlage nicht länger als 48 Stunden dauern. Nach der Inbetriebnahme des Windparks „BARD Offshore 1“ im Jahr 2010 wird das Schiff für die Wartung und eventuelle Reparaturen der Anlagen eingesetzt.