03.05.2007
Die Stadt Emden hat der BARD Engineering GmbH die immisionsschutzrechtliche Genehmigung für die Errichtung von zwei Offshore-Forschungs- und Entwicklungsanlagen am Rysumer Nacken erteilt. Oberbürgermeister Alwin Brinkmann (SPD) überbrachte den positiven Bescheid am 3. Mai 2007 persönlich dem BARD-Management und verwies auf den „wichtigen Schritt in Richtung ‚Planungssicherheit’“. Brinkmann: „Regenerative Energienb haben einen hohen Stellenwert in Emden und zwar aus umweltpolitischer Sicht und als Jobmotor.“ Die sinkenden Arbeitslosenzahlen und die aktuelle Quote von 11,1 Prozent in Emden würden ihn optimistisch stimmen, sagte der Oberbürgermeister: „Daran hat auch die aufstrebende BARD-Gruppe einen Anteil.“
Klaus Schultes, Geschäftsführer der BARD Emden Energy GmbH & Co. KG war hoch erfreut: „Wir bekommen jetzt die Möglichkeit, unsere Windkraftanlagen intensiv zu erproben und zwar unter ähnlichen Bedingungen, wie sie auf offener See herrschen.“ Die BARD Engineering GmbH will im Juli den ersten Prototyp der eigen entwickelten Windenergieanlagenserie „BARD VM“ auf dem Spülfeld am westlichen Stadtrand von Emden aufstellen. Grundstückseigentümer ist die Bundesrepublik Deutschland; vertreten durch das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Emden. Mit dem WSA hatte BARD schon im März einen Nutzungsvertrag unterzeichnet. Das Gelände ist insgesamt rund 750 Hektar groß und wurde von Anfang der Siebziger Jahre an bis Ende 1995 mit Sedimenten und Sand aus der Ems aufgespült, um Industrie- und Gewerbeflächen zu schaffen.
Der Einsatz von Windkraftanlagen auf hoher See stellt nach den Worten von Schultes eine große technische Herausforderung dar. Die erheblichen Investitionen für die Errichtung eines Offshore-Kraftwerkes könnten nur mit Anlagen der Multi-Megawatt-Klasse refinanziert werden. Schultes: „Diese mächtigen Anlagen kann man an Land kaum aufstellen, trotzdem müssen sie intensiv auf ihre Eignung für den Offshore-Einsatz untersucht werden.“ Dabei gehe es insbesondere um die Ertragsoptimierung und die Verbesserung der Verfügbarkeit. Der Betrieb eines Kraftwerkes auf See erfordere geschultes Personal. Diese Schulungen könnten auch demnächst an den Test-Anlagen erfolgen.
Die vorzeitige Genehmigung für den Wege- und Fundamentbau war bereits Anfang des Jahres erteilt worden, weshalb die Gründungsarbeiten am Test-Standort schon begonnen haben.
Die Nabenhöhe der BARD VM beträgt 90 Meter, bei einem Rotorkreisdurchmesser von 122 Metern erreicht die Testanlage eine Gesamthöhe von mehr als 150 Metern. Die Testreihen an den Prototypen werden vom Germanischen Lloyd überwacht, der die Windkraftanlagen auch zertifizieren wird. Nur zertifizierte Anlagen dürfen in Offshore-Kraftwerken eingesetzt werden.
Die Genehmigung für die beiden Testanlagen am Rysumer Nacken sind für Geschäftsführer Klaus Schultes ein weiterer großer Schritt in Richtung Realisierung des Projektes: „Wir sind unserem Kraftwerk auf hoher See wieder ein Stück näher gekommen.“ Von einem allgemeinen Rückzug aus Offshore-Windkraftprojekten, wie ihn ein großes deutsches Wochenmagazin festgestellt haben will, könne zumindest bei der BARD-Gruppe keine Rede sein.
Die BARD Engineering GmbH will im Jahr 2008 beginnen, knapp 100 Kilometer nordwestlich von Borkum insgesamt 80 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 400 Megawatt zu errichten. Die Genehmigung für den Windpark „BARD Offshore 1“ war am 11. April 2007 erteilt worden.